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Juraexamen ohne Angst. Wie überlebe ich das Staatsexamen und andere Stressphasen?

Aug 31, 2023 | Staatsexamen & Mental Health

Kennst Du das? Du hast alle Scheine in der Tasche, das Examen kann kommen. Die Anmeldeunterlagen sind beim Prüfungsamt eingereicht – nun kann’s losgehen. Mit Repetitorium oder Lerngruppe, in der Bib oder zu Hause am Schreibtisch. Jetzt wird’s ernst!

Doch wie gehe ich es an? Die meisten Jurastudierende haben großen Respekt vor dem Staatsexamen. Und das zu Recht. Bei mir selbst ist es fast dreißig Jahre her und was schon damals nur schwer bis gar nicht vorhersehbar war, hat sich bis heute leider nicht geändert: ein einigermaßen verlässlicher Ausgang der Klausurergebnisse. Vielen reicht schon ein „Bestanden!“ für ihr Glück. Andere streben das Prädikat an. Alle aber haben eins gemeinsam: So richtig kalt lässt ein juristisches Staatsexamen niemanden. Das flaue Gefühl in der Magengegend und das „Ob ich das jemals schaffe??“ kennt wohl fast jeder.

„Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand.“ – ein bekannter Satz, der ja unterstellt, dass der Ausgang eines Prozesses ein Zufallsprodukt ist. Wie man auf dem Meer den Launen der Natur auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist, kann man vor Gericht nie sicher sein, wie das Urteil aussieht. Gleiches scheint auch für das juristische Staatsexamen zuzutreffen: Der Ausgang ist ungewiss.

Aber Zufall? Launen der Prüfer:innen? Naja, dann doch nicht ausschließlich.

Zur Vorbereitung auf die Prüfungen lässt sich schon so einiges tun, was die Chance auf ein gutes Examensergebnis garantiert erhöht. Ich rate Dir, Deine Examensvorbereitung gleich von Anfang an richtig anzugehen, sodass Du in einigen Monaten, wenn es für Dich soweit ist, beruhigt und mit einem sicheren Gefühl in Deine Klausuren starten kannst.

Purpose – wo will ich hin?

Halt Dir Dein Ziel vor Augen. Du stehst vor Deinem juristischen Staatsexamen, das Du erfolgreich bestehen möchtest. Aber das ist nicht das Ziel, sondern nur das Mittel, um an Dein Ziel zu gelangen. Was hast Du vor, wenn Du Dein Examen in der Tasche hast? Wozu soll Dir diese Qualifikation dienen? Schließe die Augen und versuche einmal, Dir Deine Zukunft vorzustellen. Wo siehst Du Dich? Wohin soll Dich Dein Examen bringen? Mache Dir Deine ganz persönliche Motivation bewusst, den Grund, wieso Du dieses Examen schaffen möchtest. Schreibe ihn dick auf ein post-it und klebe es an Deinen Badezimmerspiegel.

Nicht allein auf hoher See

Such Dir eine Lerngruppe: Gleichgesinnte, die dasselbe Ziel verfolgen und dieselben Schwierigkeiten zu meistern haben, wie Du. Kommiliton:innen, mit denen Du Dich zu juristischen Fragestellungen besprechen und gemeinsame Lernziele setzen kannst, die Dir sympathisch sind und denen Du im Notfall auch mal ein Problem anvertrauen kannst. In einer Lerngruppe unterstützt man sich gegenseitig, macht sich Mut und hilft sich auch mal über Durststrecken. Und mehr Spaß macht das Lernen sowieso, wenn man nicht allein vor dem großen Berg steht!

Routinen schaffen Fokus und Effizienz und machen den Kopf frei

Richte Dir feste Routinen ein, die Deinem Tages – und Wochenablauf eine Struktur geben. Ein Gerüst, das Dir vorgibt, wann der Schreibtisch ruft, nimmt Dir die Entscheidung ab, ob und wann Du Dich hinsetzen solltest. Es hilft Dir, Dich nicht selbst zu die betrügen und Prokastination zu vermeiden. Zu wissen, dass das gesetzte Pensum erfüllt ist, schafft Dir außerdem zeitlichen Freiraum, in dem Du Dich guten Gewissens etwas anderem widmen kannst als Deinem Habersack. Du musst nicht in der Bib wohnen. Es gibt noch ein Leben neben der Examensvorbereitung und das ist gut so. 8 Stunden konzentrierte Lernzeit pro Tag reichen aus, um ein gutes Examen zu schaffen.

Tipp: Nutze Timemanagement-Apps wie z. B. den kostenlosen Tomato One Focus Timer, die Dir dabei helfen, Deine Lerneinheiten sinnvoll zu portionieren und konsequent und fokussiert einzuhalten. Und, natürlich, beim Lernen das Handy am besten außer Reichweite positionieren – im Nebenraum oder im Schließfach lassen oder ganz einfach mal ausstellen ;).

Steter Tropfen höhlt den Stein – Kontinuität und Durchhaltevermögen sind das A und O

Zieh Dein Programm durch und bleib dran. Übertreibe es aber nie, sondern halte immer ein gutes Maß ein. Wer maßvoll handelt, hält länger durch. Hol Dir gleich zu Beginn Deiner Vorbereitungsphase die Termine für die Probeklausuren und setze sie als feste Pflichttermine in Deinen Kalender.

Mind the Gap: Ab nun ist zwar alles Dir überlassen und Du kannst entscheiden, wann (und ob) Du aufstehst, wo Du (nicht) hingehst und was Du (nicht) mitschreibst. Aber gerade drum: jetzt bloß keine Halbherzigkeit und keinen Selbstbetrug! Begreife die Zeit Deiner Examensvorbereitung als Job. So wie Du Dich Deinem Arbeitgeber verpflichtest, verpflichte Dich jetzt Dir selbst. Erlaube Dir keine Schluderei und keine faulen Ausreden. Was Du jetzt tust, tust Du für Dich selbst. Wo willst Du hin? Denk an Dein Ziel!

Mens sana in corpore sano – in einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist

Bewegung, Schlaf und gute Ernährung sind die Basis für alles. Das wussten schon die alten Römer und daran hat sich bis heute nichts geändert. Während der Examensvorbereitung ist man sehr auf sich selbst gestellt und läuft Gefahr, sich von der Außenwelt abzukapseln, soziale Kontakte herunterzufahren und das Zeitgefühl zu verlieren.   Mach’s gleich richtig! Sorge für regelmäßige Bewegung, geregeltes Essen und pflege weiterhin soziale Kontakte. Gehe jeden Tag an die frische Luft, am besten schon als Morgenroutine direkt vor dem Frühstück. Ein Spaziergang oder eine Runde Joggen tun gut und bringen Dich körperlich und mental in Schwung. Nimm Dir mittags Zeit für die Mensa und triff Dich regelmäßig auch mit anderen Menschen.

You got the power!

Finde heraus, wo Deine ganz individuellen Energiebooster sind und baue sie gezielt in Deinen Tagesablauf ein. Menschen sind alle unterschiedlich und jeder hat seine eigenen Bedürfnisse. Der Austausch mit anderen Menschen oder gelegentlicher Rückzug, Ruhe und Alleinsein, Bewegung und Auspowern beim Sport oder ein Spaziergang in der Natur, ein Kinobesuch oder gemeinsames Kochen mit Freunden, die Lektüre eines guten Buchs, etc. Plane Dir in Deinem Wochenprogramm regelmäßig Zeitfenster ein, in denen Du Deine Kraft auftanken kannst und das Examen für ein paar Stunden in den Hinterkopf verlagerst. Und ganz wichtig: Gönn Dir diese Zeit ganz bewusst und ohne schlechtes Gewissen! Die Zeit an der Energiezapfsäule ist ein kostbarer Baustein auf dem Weg zu Deinem Examen. Hierdurch schaffst Du eine Balance und vermeidest das Ansteigen Deines Stresspegels und das Enstehen einer Stressspirale, aus der viele nur schwer oder gar nicht wieder herauskommen, die Dich krank macht und die am Ende zum Scheitern führen kann.

Spoiler Alert: Gespenster im Kopf

Studierende hatten es in den vergangenen Jahren alles andere als leicht. Corona, social distancing und homelearning haben bei vielen Sozialphobien und andere psychische Störungen ausgelöst. Depressive Muster wie Rückzug, Strukturverlust und Vermeidungsstrategien werden immer häufiger. Oft trauen sich die Betroffenen nicht, sich anderen mitzuteilen und die benötigte Unterstützung zu holen. Doch das ist in diesem Fall wichtiger als alles andere, denn es ist schwer und gelingt nur den wenigsten, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen.  Wenn Du merkst, dass Ängste und negative Gefühle bei Dir die Oberhand zu gewinnen drohen, such Dir professionelle Unterstützung! Alle Unis kennen die Problematik und den Druck, dem sich viele Studierende ausgesetzt fühlen. Sie bieten kostenfrei psychologische Hilfe an. Nimm dieses Angebot an. Manchmal hilft schon ein Gespräch, um die Gespenster in Deinem Kopf zu verscheuchen.

Denk immer daran: Du bist nicht allein mit Deinen Gefühlen. Vielen anderen geht es ebenso wie Dir.

Hinfallen – aufstehen – Krönchen richten – und weiter geht’s!

Hast Du mal wieder eine Probeklausur danebengesetzt, nimm Dir den Misserfolg nicht zu sehr zu Herzen. Versuch die Fehler zu verstehen, tausch Dich mit Deinen Lernpartnern aus und nimm die Lektion aus der Klausur mit. Jeder Fehler, den Du vor Deinem Examen machst, ist ein Schatz, aus dem Du schöpfen kannst, wenn es ernst wird! Frustrationstoleranz und Resilienz sind elementare Fähigkeiten, die heute auf den Wunschlisten der großen Arbeitgeber ganz oben stehen. 

Alle in einem Boot und du bist dein eigener Captain

Mach Dir klar, dass es den anderen genau so geht wie Dir. Jeder kennt sie, die Ängste und Selbstzweifel, die einen in dunklen Momenten beschleichen. Du bist nicht der/die Einzige damit. Geh in den Austausch mit Deinen Freunden. Such Dir Menschen, denen Du vertraust und mit denen Du über Deine Situation sprechen kannst. Lass Dich nicht irritieren, wenn Du den Eindruck hast, nur von Leuten umgeben zu sein, die alles auf dem Kasten haben und immer nur über 10 Punkte schreiben, während bei Dir nach unten alles drin ist. Der Schein trügt oft. Viele reden über ihre Erfolge und verschweigen ihre Niederlagen. Andere sind nicht schlauer als Du. Und sie haben dieselben Zweifel und schlechten Träume. Tu Dein Bestes und vergleiche Dich nicht mit anderen. Lass Dich nicht unter Stress setzen, sondern vertraue Dir selbst.

Last, not least: Paragraphen sind nicht alles!

Mach Dir bewusst: Ein Staatsexamen zu machen, das bedeutet nicht nur, unter Beweis zu stellen, dass man das Fachwissen beherrscht und damit umgehen kann. Ein bestandenes Examen zeigt so viel mehr, nämlich:

  • dass jemand in der Lage ist, sich über einen langen Zeitraum intensiv und konzentriert mit einer Thematik auseinanderzusetzen,
  • dass er/sie gerade auch in Stressphasen für sich sorgen kann und weiß, wie er solche Phasen unbeschadet überlebt,
  • dass der/diejenige auch mit Rückschlägen und Negativerlebnissen umgehen kann und im besten Fall sogar in der Lage ist, diese konstruktiv für sich zu nutzen und in einen Lernerfolg umzumünzen,
  • dass jemand sich und sein Leben organisieren kann.

All das sind die Kompetenzen, die Du brauchst, um in Zukunft erfolgreich in einem juristischen Beruf tätig zu sein.

Bis hierhin hast Du es schon geschafft. Du hast Deine Scheine in der Tasche, und jeder weiß, das macht niemand einfach so nebenbei. Ein großes Stück des Weges hast Du erfolgreich hinter Dich gebracht. Applaus dafür!! Höchste Zeit, Dir mal selbst auf die Schulter zu klopfen! Der nächste Schritt ist das Examen. Auch das wird klappen! Bleib dran und glaube an Dich. Es haben schon ganz andere geschafft. Und Du schaffst es auch!!

Licht ins Dunkel. Coaching in der Examensvorbereitung und beim Einstieg in den Beruf welchen Nutzen kann es bringen?

Ein Coaching hilft Dir beim Suchen und Finden von Antworten, Wegen, Perspektiven und Strategien, um Deine Ziele zu erreichen. Mit Hilfe spezieller Fragemethoden und Coachingtools unterstützt Dich ein Coach bei der Selbstreflexion und hilft Dir so, Klarheit zu bekommen und Lösungen zu finden, die genau auf Dich zugeschnitten sind und zu Dir passen. Gerade an Punkten des Lebens, wo Wege eingeschlagen werden und Zukunft gestaltet wird, ist ein Coaching von unschätzbarem Wert. Es bringt Bewusstsein über fundamentale Fragen, die viele Menschen sich aus routinierter Betriebsblindheit erst gar nicht stellen, die jedoch so wichtig sind für ein gelungenes, zufriedenes (Berufs)leben. Burnout und Depression treffen heute zunehmend jüngere Menschen. Immer noch wird verkannt, dass einer der wichtigsten Auslöser dafür nicht ein zu hohes Maß an Arbeit ist, sondern die oft unbewusst getroffene Wahl einer unpassenden Arbeitstätigkeit.

Bringe rechtzeitig Licht ins Dunkel. Es ist Deine Zukunft. Nimm sie in die Hand und gestalte sie mit offenen Augen.

Die Autorin

Christina Ringe-Rathgen ist Juristin, Legal Coach und Spezialistin für Potenzialanalyse und Selbstreflexion nach der Symbolon-Methode. Sie begleitet Jurist:innen in allen Phasen ihres Berufslebens, vom Karrierestart bis zur Kanzleiübergabe zu beruflichen und privaten Themen. Ihr Ziel ist es, insbesondere jungen Jurist:innen dabei zu helfen, das Betätigungsfeld zu finden, das auf sie zugeschnitten ist und zu ihnen passt. Nur wer für das brennt, was er tut, kann langfristig high performen – und dabei Spaß und Erfüllung finden.

Neben Jura schlägt ihr Herz für die Kunst. Jura, Kunst und praktische Lebensphilosophie verknüpft sie in ihrem Blog TINAs ART&weise, den du im CLP Newsletter abonnieren kannst. Schau gern mal rein.

Einen gesamten und persönlichen Eindruck zum Thema Coaching gibt Christina Ringe-Rathgen in der CLP-Interviewreihe.

Weitere Informationen zu CLP, der Karriereberatung von Jurist:innen für Jurist:innen findet Ihr hier.

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