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Referendariat Karriereweg: Welcher Karrieretyp bist du? Wie das Referendariat dir Klarheit für deinen juristischen Weg verschafft

Sep. 25, 2025 | Bewerbung & Jobsuche, Juristische Berufe

Herzlichen Glückwunsch! Das Jurastudium ist geschafft oder zumindest fast geschafft und plötzlich steht die große Frage im Raum: Wie geht es jetzt weiter? Machst du das Referendariat? Oder reizt dich der direkte Berufseinstieg, vielleicht sogar außerhalb der „klassischen“ juristischen Berufe? Die Entscheidung ist nicht leicht und häufig fehlt das klare Bild davon, welcher Weg eigentlich zu dir passt.

Genau hier hilft dir das Referendariat: Es kann mehr sein als nur der letzte Schritt zum Volljuristen bzw. zur Volljuristin. Es ist auch eine Phase des Ausprobierens, des Erfahrens und des Selbstkennens. In diesem Artikel erfährst du von uns, welche Karrieretypen es im juristischen Bereich gibt, wie du herausfindest, welcher Typ du bist und wie das Referendariat dir bei dieser Entscheidung helfen kann.

Was bedeutet Karrieretyp in der Juristerei?

Motivationen & Werte

Vorab: Nicht jeder, der Jura studiert, hat die gleiche Motivation. Die einen suchen Einfluss und Gestaltungsmacht, andere Sicherheit und klare Strukturen. Manche wollen gerechte Lösungen für Menschen finden, andere lieben das juristische Handwerk an sich. Zu verstehen, was dich antreibt, ist der erste Schritt.

Arbeitsweise & Umfeldpräferenzen

Willst du in einem kleinen, eingespielten Team arbeiten oder in einer großen Organisation mit klaren Hierarchien? Reizt dich der Gerichtssaal, das Behördentum oder eher das wirtschaftliche Denken eines Unternehmens? Diese Fragen bestimmen mit, welcher Karriereweg sich für dich eignet.

Vielleicht arbeitest du lieber sehr eigenverantwortlich, mit direktem Mandantenkontakt, kurzen Entscheidungswegen und viel Gestaltungsspielraum? Dann fühlst du dich womöglich in einer kleinen Kanzlei oder im Start-up-Umfeld wohler. Oder du bevorzugst ein klar definiertes Aufgabenfeld, strukturierte Abläufe und Aufstiegsperspektiven in einer größeren Organisation wie einer Behörde, einem Ministerium oder einer internationalen Kanzlei. Auch das Ausmaß an Teamarbeit, Projektverantwortung oder interdisziplinärem Arbeiten kann deinen Idealtypus von juristischer Tätigkeit mitbestimmen.

Lebensstil & individuelle Prioritäten

Let’s face it: Karriere ist nicht alles. Vielleicht ist dir eine gute Work-Life-Balance wichtig oder du willst international arbeiten. Vielleicht legst du Wert auf finanzielle Unabhängigkeit oder du möchtest Familie und Beruf gut vereinbaren. Dein Karrieretyp hängt eng mit deinen persönlichen Zielen zusammen und daher solltest du auch darauf achten, was dir persönlich wichtig ist und wie deine Karriere mit deinen persönlichen Prioritäten matchen kann.

Welche Karrieretypen gibt es – Beispiele

Der Klassiker: Justiz

Du denkst pragmatisch, arbeitest gerne strukturiert und schätzt Neutralität? Dann könntest du gut in die Justiz passen: als Richter:in, Staatsanwält:in oder Verwaltungsjurist:in. Hier sind analytisches Denken, Unabhängigkeit und ein langer Atem gefragt. Ein weiterer Vorteil den Berufsbilder im öffentlichen Dienst mit sich bringen ist Sicherheit und somit ist auch das ein Faktor, weswegen sich viele für diesen Karriereweg entscheiden.

Der Anwalts-Spezialist

Wenn du den Wettbewerb liebst, gerne mit Mandant:innen arbeitest und dich in ein Spezialgebiet vertiefen willst, ist die Anwaltskarriere für dich spannend. Ob Großkanzlei, Boutique oder spezialisierte Kanzlei – hier zählt Fachexpertise, wirtschaftliches Denken und Durchhaltevermögen. Grade wenn du tiefer in eine Materie eintauchen möchtest, solltest du dir hier darüber im klaren sein, dass es dann immer von Vorteil ist, sich z.B. mit einem Fachanwaltstitel in dem jeweiligen Rechtsgebiet, fortzubilden.

Inhouse-Jurist: Unternehmen & Compliance

Du willst rechtlich arbeiten, aber mit direktem Bezug zum wirtschaftlichen Alltag? Inhouse-Rollen bieten Abwechslung, strategische Einbindung und oft familienfreundlichere Strukturen. Compliance, Vertragsrecht und Datenschutz sind hier oft zentrale Themen.

Forschung, NGOs & Internationale Organisationen

Wenn dich die großen Fragen interessieren und du gerne im Hintergrund arbeitest oder politisch wirken willst, kannst du in der Wissenschaft, bei Stiftungen oder internationalen Organisationen deinen Platz finden. Sprachkenntnisse, Netzwerke und oft ein LL.M. helfen hier weiter. Mehr zu Thema LL.M. findest du bei unserem Kooperationspartner e-fellows.net.

Der Generalist / Allrounder

Du bist vielseitig interessiert, entscheidest gerne situativ und willst dich nicht früh festlegen? Dann könnte ein Werdegang mit vielen Stationen – z. B. Verwaltung, kleinere Kanzlei, Projektarbeit – für dich genau das Richtige sein.

Wie das Referendariat dir hilft, deinen Karrieretyp zu erkennen

  • Praktische Einblicke: Du durchläufst verschiedene Stationen: Zivilgericht, Staatsanwaltschaft, Verwaltung, Anwaltskanzlei. Jede Station gibt dir Einblick in eine eigene juristische Lebenswelt.
  • Netzwerke & Feedback: Du lernst Richter:innen, Staatsanwälte, Ausbilder:innen und Kolleg:innen kennen. Ihre Rückmeldung hilft dir, deine Stärken und Schwächen realistischer einzuschätzen.
  • Wahlstation = Pilotprojekt: Du kannst gezielt testen, was dich interessiert. Ob Ausland, internationale Organisation oder ein besonderes Rechtsgebiet.
  • Reputation & Note: Ein gutes Referendariat kann nicht nur deine Karrierechancen verbessern, sondern auch dein Selbstbewusstsein stärken.

Vor- und Nachteile des Referendariats je nach Karrieretyp

  • Justizorientiert: Unverzichtbar. Ohne 2. Examen keine Option auf Richteramt oder Staatsanwaltschaft.
  • Kanzleifokus: In Großkanzleien fast Standard, aber: Einige Wirtschaftsjurist:innen steigen auch ohne 2. Examen erfolgreich ein. 
  • Wirtschaft & Unternehmen: Je nach Rolle hilfreich, aber nicht zwingend. Compliance-Rollen z. B. möglich ohne Volljurist:innenstatus.
  • Alternative Wege: NGO, Wissenschaft oder Legal Tech? Häufig reicht das erste Examen, wenn andere Qualifikationen stimmen.

Entscheidungscheckliste: Passt das Referendariat zu dir?

  • Willst du alle Optionen offenhalten, auch langfristig?
  • Siehst du dich im klassischen Berufsbild (Richter:in, Anwalt:in, Staatsanwalt)?
  • Reizt dich die Arbeit in großen Strukturen mit geregeltem Aufstieg?
  • Bist du bereit, nochmal intensiv zu lernen für das zweite Staatsexamen?
  • Könntest du die nächsten 1,5 Jahre finanziell und organisatorisch überbrücken?

Wenn du bei den meisten Fragen mit „ja“ antwortest, ist das Referendariat wahrscheinlich eine gute Investition in deine Karriere.

Tipps, wie du deine Entscheidung praktisch angehst

  • Informier dich zu Ablauf, Vergütung und Besonderheiten in deinem Bundesland 
  • Rede mit Referendar:innen, Berufseinsteiger:innen und Karriereberater:innen
  • Wähle deine Stationen gezielt, was willst du herausfinden? Welche Erfahrung fehlt dir noch?
  • Plane die Wahlstation bewusst: Ausland, spezialisierte Einrichtung oder Wunschkanzlei?
  • Lernstrategien und Stressmanagement helfen, die Examenszeit gut zu meistern

Fazit

Das Referendariat ist mehr als ein Pflichtprogramm: Es ist deine Chance, dich als Jurist:in zu erleben, zu testen und zu positionieren. Du bekommst Einblicke, Orientierung und kannst fundierter entscheiden, wohin deine Reise geht.

Wichtig: Es gibt nicht den perfekten Weg. Wichtig ist, dass du deinen findest und das auf Basis deiner Stärken, Interessen und Lebensziele.

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