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Personal Branding für Juristen: Als Nachwuchsjurist:in Expertise zeigen statt abwarten: Was dich das Warten auf den „perfekten Moment“ wirklich kostet

Sep. 25, 2026 | Juristische Berufe, Karriere, Netzwerken

Als Berufseinsteigerin bin ich doch noch keine Expertin im Umweltrecht.“ Oder auch „Als Berufsanfänger bin ich doch noch kein Spezialist für Immobilientransaktionen.“ Diesen Satz hört Dr. Anja Schäfer, Karriere-Coach für Jurist:innen, regelmäßig von Nachwuchsjurist:innen in den ersten Berufsjahren.

Warum die eigene Positionierung als Expert:in gerade in den ersten Berufsjahren so entscheidend ist und woran sie oft grundsätzlich scheitert, erfährst du in diesem Beitrag. In diesem Artikel geht es nun einen Schritt weiter in Richtung Personal Branding für Juristen: Was genau kostet das Warten auf den „perfekten Moment“ konkret und mit welchen drei Stellschrauben lässt sich das ändern?

Personal Branding für Juristen: Die Beweis-Falle in den ersten Berufsjahren

Viele Nachwuchsjurist:innen beschäftigen sich erst spät mit ihrem Personal Branding als Jurist oder Juristin. Sie warten auf einen bestimmten Moment, bevor sie sich im Kanzleiumfeld, im Gespräch mit Mandant:innen oder beim Networking sichtbar als Expert:in positionieren: den Fachanwaltstitel, eine bestimmte Anzahl an Berufsjahren, die abgeschlossene Promotion oder das erste eigenständig geführte Mandat.

Die entscheidende Frage ist daher: Kann man sich in den ersten drei Berufsjahren überhaupt schon als Expert:in positionieren oder sollte man damit noch warten?

Expertise ist ein Prozess, kein Fixpunkt

Die Antwort darauf ist einfacher, als es sich anfühlt: Ein Expertinnenstatus ist keine feste Schwelle, sondern eine Momentaufnahme. Sie ergibt sich aus der Kombination von „Wo stehe ich heute?“ und „Wo will ich hin?“. Jurist:innen in den ersten Berufsjahren entwickeln zwar noch ihre Expertise stetig weiter. Das schließt aber nicht aus, sich bereits jetzt immer mehr als Expert:in zu verstehen und entsprechend aufzutreten bzw. digital sichtbar zu werden.

Am Anfang der Karriere überzeugt oft die eigene Persönlichkeit mindestens so sehr wie fachliche Tiefe. Mandant:innen und Kolleg:innen orientieren sich in dieser Phase häufig weniger an Titeln als an konkret erlebbaren Eigenschaften: einer verlässlichen, nachvollziehbaren Kommunikation, einem strukturierten Vorgehen bei komplexen Sachverhalten oder der Fähigkeit, sich schnell in neue Themengebiete einzuarbeiten. Wer in Gesprächen souverän auftritt und klar benennt, woran gerade gearbeitet wird, vermittelt bereits Kompetenz, unabhängig davon, wie viele Berufsjahre auf dem LinkedIn-Profil stehen. Gerade diese frühe Positionierung über die eigene Persönlichkeit legt häufig den Grundstein für die spätere fachliche Positionierung als Expert:in.

Was das Warten tatsächlich kostet

Ein typisches Beispiel einer Nachwuchsjuristin sieht so aus: Nach abgeschlossener Promotion und Mastertitel liegen bereits vor dem eigentlichen Berufseinstieg klare fachliche Nachweise vor. Auch erste Anfragen zum jeweiligen Fachgebiet, so bspw. zu Gutachten, kommen durch die Promotion bzw. damit einhergehende Beiträge in juristischen Fachzeitschriften.

Positioniert wird sich damit trotzdem oft erst deutlich später, meist gekoppelt an die Verleihung des Fachanwaltstitels, die nicht selten erst im vierten oder fünften Berufsjahr erfolgt. Dies passiert deutlich später als die „ersten drei Jahre“, auf die viele Nachwuchsjurist:innen ihre eigene Zurückhaltung schieben. Bis zu diesem Zeitpunkt bleiben jedoch im beruflichen Umfeld ein entsprechendes Personal Branding sowie die häufig damit einhergehende Weiterempfehlung durch das eigene digitale wie analoge Netzwerk häufig aus, obwohl die fachliche Basis schon jahrelang aufgebaut und erweitert wurde.

Drei Stellschrauben für dein Personal Branding als Jurist:in

Aus dieser Erfahrung lassen sich drei Stellschrauben ableiten, die sich auf jede Karrierephase übertragen lassen:

  • Prozess statt Fixpunkt: Expertise entwickelt sich fortlaufend, ein fertiger Endpunkt existiert nicht.
  • Persönlichkeit statt Titel: Gerade zu Beginn der Laufbahn überzeugt die eigene Herangehensweise oft mehr als eine formale Qualifikation.
  • Alltagsmomente statt ein großer Beweis: Sichtbarkeit entsteht in vielen kleinen Situationen, im Gespräch, im Netzwerk, in einer klaren Selbstbeschreibung und damit nicht erst durch einen „großen Auftritt“ beim Fachvortrag.

Entscheidend ist dabei die eigene Wortwahl. Jurist:innen, die ihre Expertise im Gespräch relativieren („Ich mach da so ein bisschen…“), signalisieren genau die Unsicherheit, die sie eigentlich überwinden sollten. Wer stattdessen klar benennt, woran gearbeitet wird und worin die persönlichen Stärken bestehen, positioniert sich bereits als Expert:in und Persönlichkeit, und das unabhängig von entsprechenden Titeln oder jahrelanger Berufserfahrung.

Der erste Schritt zur eigenen Positionierung

Ein hilfreicher erster Schritt: Den Satz aufschreiben, der dich aktuell ausbremst, zum Beispiel „Ich bin doch noch keine Expertin im Umweltrecht“ oder „Ich bin doch noch kein Spezialist für Immobilientransaktionen.“ Stelle dir anschließend die Frage, worauf du eigentlich wartest und ob du überhaupt Einfluss auf diesen Zeitpunkt hast. Im letzten Schritt formuliere den Satz um und zwar so, dass er dich unterstützt: weg vom Warten, hin zu einer klaren Positionierung deines Know-hows und damit, was an Expertise bereits heute vorhanden ist.

Fazit: Die Positionierung deiner Expertise ist kein Zufall

Know-how ist das Ergebnis von juristischem Wissen und entsprechender Praxisarbeit, was längst vorhanden bzw. geleistet wird, auch dann, wenn der passende Titel oder die „richtige“ Anzahl an Berufsjahren noch fehlt.

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Du wirst nicht automatisch als Expertin wahrgenommen. Diese Wahrnehmung entsteht erst, wenn du aufhörst, mit deiner Positionierung zu warten.

Die Autorin

Dr. Anja Schäfer ist Anwältin, Expertin für Networking & Female Leadership in Kanzleien. Als Karriere-Coach unterstützt sie exklusiv Jurist:innen in puncto Netzwerkaufbau, Selbstmarketing und Sichtbarkeit als Expert:in sowie zur strategischen Ausrichtung bei beruflicher Neu- oder Umorientierung. Sie veranstaltet regelmäßig Networking-Events, spricht über die genannten Themen im „Juristinnen machen Karriere! … Podcast“ und hat ihre besten Tipps im Workbook Karriere-Erfolgsfahrplan für Juristinnen zum Download zusammengefasst.

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