Viele Nachwuchsjurist:innen starten mit der Überzeugung, dass fachliche Kompetenz allein über den Karriereweg entscheidet. Die Realität zeigt jedoch: Exzellente Leistungen sind wichtig, aber ohne ein starkes Netzwerk bleiben – nicht nur beim Berufseinstieg – zahlreiche Chancen ungenutzt. Networking ist keine Nebensache – es ist eine zentrale Leadership-Kompetenz.
Gerade für Jurist:innen am Anfang der Laufbahn bedeutet dies: Wer früh lernt, Netzwerke gezielt zu nutzen, baut nicht nur die eigene Reputation auf, sondern ebnet sich auch den Weg in die ein oder andere Führungsrolle.
In diesem Beitrag finden Sie drei Tipps, wie Sie Networking strategisch als Schlüsselinstrument einsetzen können – ergänzt um konkrete Beispiele.
Inhalt
So nutzen Sie Netzwerken als Karriere-Booster: 3 Tipps
TIPP 1: Sichtbarkeit im eigenen Haus: Netzwerken nach innen
Erfolg hängt nicht nur davon ab, wie gut Sie die Ihnen übertragenen Aufgaben erledigen. Entscheidend ist auch, wie Sie innerhalb Ihrer Kanzlei oder Ihres Unternehmens wahrgenommen werden. Kolleg:innen, Vorgesetzte und Schnittstellen müssen Ihre fachlichen sowie persönlichen Stärken kennen, um Sie als kompetente Ansprechpartner:in einzuordnen.
Praxisbeispiel: Eine junge Anwältin erhielt im Mitarbeitergespräch die Rückmeldung, dass sie als „zurückhaltend“ wahrgenommen würde – obwohl sie fachlich stark war. Statt abzuwarten, begann sie, bei Kanzleiveranstaltungen bewusst das Gespräch mit Partner:innen aus anderen Abteilungen zu suchen – mit dem Ergebnis, dass intern ihre Sichtbarkeit stieg und sie häufiger als vorher in spannende Mandate eingebunden wurde.
Leadership-Insight: Warten Sie nicht darauf, als Jurist:in „entdeckt“ zu werden. Positionieren Sie sich aktiv – bei Meetings, Firmenevents oder im Austausch auf dem Flur. So bauen Sie Vertrauen und Reputation innerhalb Ihres Hauses auf.
TIPP 2: Kontakte nach außen: Strategisches Netzwerken im Markt
Juristische Karrieren entfalten sich nicht nur im Inneren einer Organisation. Externe Kontakte wie bspw. zu Mandant:innen, Kolleg:innen aus anderen Kanzleien oder Unternehmen, Kooperationspartner:innen, sind mindestens genauso entscheidend. Sie öffnen Türen zu Mandaten, Positionen und Projekten, die Ihnen sonst verschlossen bleiben.
Praxisbeispiel: Ein Syndikusanwalt nahm regelmäßig an Fachmessen teil – nicht nur, um Input zu erhalten, sondern um gezielt Kontakte zu Branchengrößen zu knüpfen. Als er später eine neue Stelle suchte, erhielt er dank dieser Verbindungen mehrere Empfehlungen. Ohne sein aktives Networking wäre er vermutlich nicht persönlich weiterempfohlen worden.
Leadership-Insight: Planen Sie Networking bewusst in Ihren Kalender ein. Es ist keine lästige Zusatzaufgabe, sondern eine Investition in Ihre Karriere. Ein starkes externes Netzwerk macht Sie unabhängiger vom einzelnen Arbeitgeber und schafft Resilienz.
TIPP 3: Erkennen Sie Ihren Wert als Netzwerkpartner:in
Viele junge Jurist:innen zweifeln, ob sie selbst überhaupt etwas „beitragen“ können. Doch bereits mit dem Berufseinstieg verfügen Sie über persönliche Qualitäten, die für andere wertvoll sind. Und je länger Sie im Beruf sind, umso mehr können andere von Ihrem Fachwissen, den Einblicken in Ihr Tätigkeitsgebiet und/oder Ihren praktischen Erfahrungen profitieren.
Praxisbeispiel: Eine Anwältin teilte beim ersten kanzleiinternen Netzwerktreffen mit Nachwuchsjurist:innen einen praktischen Tipp in puncto „die ersten 100 Tage in der Kanzlei“. Die positive Resonanz überraschte sie: Kolleg:innen merkten sich ihren Beitrag und fragten sie bei weiteren Treffen gezielt um Rat. So gewann sie Profil und Selbstvertrauen.
Leadership-Insight: Networking ist keine Einbahnstraße. Sie müssen nicht sofort „zurückzahlen“. Wichtig ist, dass Sie sich einbringen und langfristig mehr geben, als Sie nehmen. So werden Sie Teil eines Systems, von dem jede:r profitieren kann – und damit auch Sie selbst.
Fazit: Networking ist Führungsarbeit
Eine Karriere im Recht lebt nicht allein von Kompetenz. Sichtbarkeit, Kontakte und gegenseitiger Austausch sind entscheidende Bausteine für den Weg in eine Führungsrolle.
Machen Sie sich bewusst:
- Internes Networking macht Sie sichtbar.
- Externes Networking öffnet Türen.
- Ihr eigener Beitrag macht Sie unverwechselbar.
Schließlich heißt es nicht umsonst: „Kompetenz allein bringt Jurist:innen nicht nach oben – Kontakte entscheiden, wer als Anwält:in oder Unternehmensjurist:in wahrgenommen und damit eben auch anerkannt und bekannt wird.“
Über die Autorin:

| Die Autorin: Dr. Anja Schäfer ist Anwältin, Expertin für Networking & Female Leadership in Kanzleien. Als Karrierementorin unterstützt sie exklusiv Jurist:innen in puncto Netzwerkaufbau, Selbstmarketing und Sichtbarkeit als Expert:in sowie zur strategischen Ausrichtung bei beruflicher Neu- oder Umorientierung. Sie veranstaltet regelmäßig Networking-Events, spricht über die genannten Themen im „Juristinnen machen Karriere! … Podcast“ und hat ihre besten Tipps im Workbook Karriere-Erfolgsfahrplan für Juristinnen zum Download zusammengefasst. Wer neugierig geworden ist und noch mehr Expert:innen Wissen rund um das Thema Networking als Jurist:in lesen möchte, Dr. Anja Schäfer hat auch einen eigenen Blog: zum Blog geht es hier! |
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