Legalhead BlogWissenswertes zur Karriere von Juristinnen und Juristen

Wer sichtbar ist, wird diskutiert…

Jan. 20, 2026 | Uncategorized

Strategien für Nachwuchsjurist:innen zum Umgang mit Gegenwind

Gerade für Nachwuchsjurist:innen ist Sichtbarkeit ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist sie ein zentraler Karrierefaktor: Wer wahrgenommen wird, wird eingeladen, empfohlen und gefördert.

Andererseits bedeutet Sichtbarkeit auch, diskutierbar zu sein und sich damit angreifbar zu machen. Meinungen werden kommentiert, Positionen hinterfragt, manchmal bläst sogar ein spürbarer Gegenwind ins Gesicht.

Die gute Nachricht ist, dass eben dieser Gegenwind kein Zeichen von Scheitern ist, sondern oft ein Hinweis darauf, dass Sie gerade anfangen, sich zu einem bestimmten Thema klar zu positionieren und eine entsprechende Wirkung zu entfalten.

Die folgenden Impulse zeigen, wie Sie konstruktiv damit umgehen können.

Warum Sichtbarkeit für Nachwuchsjurist:innen so wichtig ist

Unabhängig davon, ob Sie Ihren Einstieg in den Beruf bereits erfolgreich gemeistert haben oder ob Ihnen dieser noch bevorsteht: Sichtbarkeit bedeutet, dass Sie aktiv mitgestalten, wie Sie – digital wie analog, intern wie extern – wahrgenommen werden. Überlassen Sie diese Deutungshoheit nicht anderen.

Wenn Sie selbst entscheiden, mit welchen Themen Sie nach außen gehen, setzen Sie ein klares Narrativ. Gerade am Anfang der Karriere ist das entscheidend, um nicht nur „mitzulaufen“, sondern als Persönlichkeit mit Expertise wahrgenommen zu werden.

Ihre Geschichte gehört Ihnen

Sichtbar zu sein heißt nicht, alles von sich preiszugeben. Es heißt vielmehr, bewusst auszuwählen, welche Aspekte Ihrer fachlichen und persönlichen Entwicklung für Ihr Gegenüber oder einen bestimmten Kontext relevant sind. Vielleicht gibt es Erfahrungen, die Sie geprägt haben und die Ihre juristische Haltung erklären. Wenn Sie diese selbst einordnen, vermeiden Sie Missverständnisse und schaffen Vertrauen. Wer schweigt, überlässt vor allem den anderen das Interpretationsfeld.

Sichtbarkeit erzeugt Resonanz und das positiv wie kritisch

Sobald Sie sichtbar werden, werden Sie diskutierbar. Das gehört dazu. Nicht jede Reaktion wird eine Zustimmung sein.

Machen Sie sich daher bewusst, dass Kritik nicht automatisch mit einer Ablehnung Ihrer Person oder Kompetenz einhergeht. Häufig ist sie nur Ausdruck einer anderen Perspektive. Lernen Sie, zwischen konstruktiver Kritik und bloßem Störfeuer zu unterscheiden. Erstere kann Sie fachlich weiterbringen, Letzteres dürfen Sie getrost ignorieren.

Gegenwind aushalten lernen – aber nicht alles

Nicht jeder Kommentar, der Ihnen zu Ihrer Person usw. zu Gehör kommt, verdient Ihre Energie. Eine der wichtigsten Fähigkeiten im Umgang mit Sichtbarkeit ist Abgrenzung.

Fragen Sie sich regelmäßig: Bringt mich diese Rückmeldung weiter? Passt sie zu meinen Werten und Zielen? Wenn nicht, nehmen Sie innerlich Abstand und setzen Sie im Einzelfall klare Grenzen durch eine entsprechende Kommunikation. Eine solche Reaktion ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von professioneller Selbstführung.

Der Fokus auf die richtigen Menschen

Ein häufiger Fehler bei Berufseinsteiger:innen ist, sich zu stark auf kritische Stimmen zu konzentrieren. Viel wichtiger ist es, den Blick auf diejenigen zu richten, die Sie – egal ob im beruflichen oder persönlichen Kontext – mit Ihrer Expertise erreichen und unterstützen können oder von denen Sie profitieren können. Diese Menschen in Ihrem Arbeitsumfeld oder darüber hinaus zu finden, ist entscheidend für Ihr berufliches Vorankommen.

Einfluss entsteht durch Authentizität

Wenn Sie Ihre Themen authentisch vertreten, gewinnt Ihre Stimme an Gewicht. Dafür müssen Sie nicht besonders laut oder provokant sein. Klarheit, Konsistenz und Fachlichkeit reichen aus, um Einfluss zu gewinnen. Sichtbarkeit ist damit nicht Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, um Themen voranzubringen und Ihre Expertise bekannt zu machen.

Perfektion bremst – Starten bringt Sie weiter

Viele Nachwuchsjurist:innen zögern, bevor Sie bspw. auf LinkedIn, im Arbeitsumfeld oder im Gespräch mit Mandant:innen sichtbar werden. Sie glauben, dass Sie erst „fertig“ sein zu müssen: das perfekte Profil, die perfekte Positionierung, der perfekte Auftritt.

Nicht umsonst heißt es: „Perfect is too late!“ Denn eine solche Perfektion gibt es nicht. Wer hingegen startet, lernt und versteht immer besser, dass Sichtbarkeit ein Prozess ist. Man wächst an einzelnen Situationen, entwickelt sich weiter und justiert im Einzelfall nach. 

Entwicklung sichtbar machen

Ein oft unterschätzter Aspekt: Menschen interessieren sich nicht nur für Ergebnisse, sondern auch für Wege. Wenn Sie Ihre persönliche sowie berufliche Entwicklung und damit nicht nur Ihre Erfolge, sondern auch Ihre Herausforderungen oder gar Niederlagen in Ihrem (Arbeits-)Umfeld teilen, machen Sie sich greifbar und nahbar. Das schafft Verbindung und Vertrauen.

Gleichzeitig laden Sie auf diese Weise andere ein, sich ebenfalls zu zeigen – und genau daraus entstehen Netzwerke.

Warum Gegenwind ein Zeichen von Relevanz ist

Machen Sie sich immer wieder bewusst, dass Gegenwind ein Teil erfolgreicher Sichtbarkeit und daher kein Grund ist, sich zurückzuziehen. Er ist vielmehr ein Signal dafür, dass Sie Positionen beziehen, die von anderen wahrgenommen werden.

Für Nachwuchsjurist:innen gilt besonders: Die Welt da draußen muss wissen, wofür Sie stehen. Ihre Expertise, Ihre Haltung und Ihre Themen sind relevant. Trauen Sie sich, sie zu zeigen – auch wenn der Gegenwind manchmal etwas stärker ist.

Die Autorin

Über die Autorin: Dr. Anja Schäfer ist Anwältin und Expertin für Networking & Female Leadership in Kanzleien. Als Karrierementorin unterstützt sie exklusiv Jurist:innen in puncto Personal Branding, Netzwerkaufbau und Sichtbarkeit als Expert:in sowie zur strategischen Ausrichtung bei beruflicher Neu- oder Umorientierung.
Sie veranstaltet regelmäßig Karriere-Events für Juristinnen, so bspw. am vom 19 bis 21. Mai 2026 (jeweils von 8 bis 9 Uhr) die  kostenfreien Karriere-Powerworkshops zum Themenschwerpunkt „Erfolgsfaktor Personal Branding: Von der unsichtbaren Kollegin zur Expertin mit Profil“

Like. Match. Job

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